Andacht zu Römer 11,13-24
Israel –Volk des Segens (10.Sonntag nach Trinitatis), Tag 5

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Lesung:

Römer 11,13-24

Euch Heiden aber sage ich: Weil ich Apostel der Heiden bin, preise ich mein Amt, ob ich vielleicht meine Stammverwandten zum Nacheifern reizen und einige von ihnen retten könnte. Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten! Ist die Erstlingsgabe vom Teig heilig, so ist auch der ganze Teig heilig; und wenn die Wurzel heilig ist, so sind auch die Zweige heilig. Wenn aber nun einige von den Zweigen ausgebrochen wurden und du, der du ein wilder Ölzweig warst, in den Ölbaum eingepfropft worden bist und teilbekommen hast an der Wurzel und dem Saft des Ölbaums, so rühme dich nicht gegenüber den Zweigen. Rühmst du dich aber, so sollst du wissen, dass nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich. Nun sprichst du: Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde. Ganz recht! Sie wurden ausgebrochen um ihres Unglaubens willen; du aber stehst fest durch den Glauben. Sei nicht stolz, sondern fürchte dich! Hat Gott die natürlichen Zweige nicht verschont, wird er dich doch wohl auch nicht verschonen. Darum sieh die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst gegenüber denen, die gefallen sind, die Güte Gottes aber dir gegenüber, sofern du bei seiner Güte bleibst; sonst wirst du auch abgehauen werden. Jene aber, sofern sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden; denn Gott kann sie wieder einpfropfen. Denn wenn du aus dem Ölbaum, der von Natur wild war, abgehauen und wider die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist, wie viel mehr werden die natürlichen Zweige wieder eingepfropft werden in ihren eigenen Ölbaum.

 

Thema:

Alle Christen sind mit Israel verbunden wie die eingepfropften Zweige mit dem Ölbaum.

 

Auslegung:

Sie sind Christ, aber kein Jude? – Wirklich nicht?

Betrachten Sie doch einmal das Bild vom Ölbaum genauer, das Paulus in unserem Abschnitt verwendet. Gottes heiliger Ölbaum ist Israel. Seine edlen Kräfte und Lebenssäfte bezieht er aus der Wurzel: von Gott. Trotz bester Ernährung sind viele Zweige am Ölbaum taub geblieben. Sie hat Gott abgehauen und dafür andere Zweige eingepfropft, die von Natur wild waren. Damit meint Paulus Menschen aus nichtjüdischen Völkern. Diese profitieren vom Saft des Ölbaumes, weil das Evangelium von Jesus Christus auch ihnen verkündigt worden ist und sie zum Glauben geführt hat.

So gesehen sind alle Christen mit Israel verbunden wie die eingepfropften Zweige mit dem Ölbaum.

Freilich ist das kein Grund zur Selbstsicherheit. Weder geborene Juden noch eingepfropfte Heiden besitzen eine absolute „Heilsversicherung“. Das ist wie bei der Vollkaskoversicherung eines Autos. Da wird Ihnen zwar garantiert, dass Sie jeden Schaden an Ihrem Auto erstattet bekommen. Das gilt aber nicht, wenn Sie grob fahrlässig einen Unfall verursacht haben, weil Sie zum Beispiel am Steuer Zeitung gelesen haben.

So darf auch niemand sagen: „Ich bin getauft, jetzt komme ich auf jeden Fall in den Himmel.“ Denn wer in Glaubensdingen leichtsinnig wird, kann auch wieder „ausgerissen“ werden aus dem Ölbaum Gottes. Paulus warnt: „Sei nicht stolz, sondern fürchte dichNimm es ernst und wichtig, dass du zu Gottes heiligem Ölbaum gehören darfst durch die Taufe und den Glauben! Danke Gott dafür!

 

Gebet:

Vater im Himmel. Hab Dank, dass auch wir Nichtjuden zu dir gehören dürfen. Hab Dank, dass wir eingepfropft sind wie die wilden Zweige in einen edlen Ölbaum. Bewahre uns Demut und kindliche Dankbarkeit für diese große, unverdiente Gabe. Amen.

 

 

Impuls:

Denken Sie heute über das Wunder nach, dass der Zweig eines Baumes grünt und blüht, solange er mit dem Baum verbunden bleibt. Schneiden sie einen grünen Zweig von einem Baum ab und legen Sie ihn irgendwohin, wo Sie ihn täglich sehen. Beobachten Sie, wie er verdorrt.

Halten Sie sich vor Augen: So geht es Menschen, die die Verbindung mit Gott verloren haben. Wie gut, dass Sie zu Jesus gehören dürfen!

 

 

Hintergrundinformationen:

v     Anmerkung zu dem Vergleich vom Ölbaum: Hoffentlich haben Sie keine Ahnung von Botanik oder Mathematik! Denn das Bild vom Ölbaum ist zwar einleuchtend, aber auch ein bisschen irreal: Normalerweise pfropft man edle Zweige auf eine wilde Wurzel, und nicht umgekehrt. Und rechnerisch müssten hundertfach so viele Zweige aus Israel ausgerissen werden, als überhaupt da sind, damit alle Heidenchristen einen Platz bekämen. Der Vergleich mit dem Ölbaum ist wirklich nur ein Bild. Auf die Details kommt es nicht so sehr an wie auf die Gesamtaussage. Und diese ist klar und verständlich.

 

Autor dieser Andacht: Robert Augustin